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Thema mit vielen Antworten

Selbststaendig machen in NZ


Autor
Nachricht
Verfasst am: 08. 08. 2003 [05:15]
Joachim, Auckland
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 2544
Hi Renate,

ich will auf gar keinen Fall Deine Schwägerin (bzw. ihre Kochkünste) schlecht machen, aber bei Deinem Sushi-Beispiel wäre es vielleicht interessant, was ein Japaner sagen würde. Verstehst Du worauf ich hinauswill? Der Unterschied ist der (aber das brauche ich Dir sicherlich nicht zu erklären, da Dein Bruder so lange in Japan war), dass ein Japaner wohl ganz andere (auch kulturelle?) Ansprüche an Sushi hat, als ein Europäer. Gegenbeispiel (gut, das hat nicht unbedingt etwas mit Kultur zu tun): Überall auf der Welt werden "Oktoberfeste" gefeiert, und den Leuten gefällt das auch. Schick' da aber mal einen Münchner hin, der rennt wahrscheinlich schreiend davon icon_smile.gif

Es ist meistens ein riesengroßer Unterschied zwischen den Meinungen bzw. Ansichten von "Otto Normalverbraucher" und einem Profi bzw. jemandem, der sich mit etwas wirklich auskennt.
Mein Lieblingsbeispiel: die "typische" selbstgebastelte Website. Lass da mal einen Designer (oder jemand, der etwas davon versteht) drüberschauen. Der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

Ich will damit sagen, dass man viele Dinge selbst machen kann, und für "den Hausgebrauch" bzw. für die eigenen Ansprüche können sie völlig genügen. Aber man kann es deswegen noch lange nicht mit Profiarbeit vergleichen. Das soll nicht heißen, dass es schlechte Arbeit sein muss. Es kann durchaus auch "Profiqualität" sein. Aber das kann eben meist nur ein Profi wirklich beurteilen!

Womit ich Dir absolut recht gebe, ist die Sache mit der Freude an der Arbeit. Wenn man kein echtes Interesse an etwas hat, dann wird das auch nichts.
Und man kann sich andererseits Dinge selbst beibringen und gut darin werden, wenn man eben diese Freude daran hat.

Es gibt eben (wie überall) nicht nur schwarz und weiß, sondern auch viele "Schattierungen von Grau" icon_smile.gif

Grüße
Joachim

PS: ich will mit diesem Beitrag keinesfalls die "selfmade-Handwerker" an sich kritisieren. Wie gesagt, die müssen nicht schlecht sein, sie können sogar besser sein als die "Profis".

Wie sagte ein Prof von mir immer, "Es kommt nicht darauf an, die richtige Sache zu tun, sondern eine Sache richtig zu tun!"
Verfasst am: 08. 08. 2003 [05:11]
Schlaf90924
Dabei seit: 08.08.2003
Beiträge: 1
Handwerk hat goldenen Boden sagt man.
In NZ stimmt das auch noch zum Teil.
Da wird man ja auch relativ gut bezahlt im Vergleich zu anderen Berufen.

Cheers
Manfred
Verfasst am: 08. 08. 2003 [01:20]
PeterNZ-KowhaiGrove,TeHana
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 504
Ich denke da eher, Lafer und Witzigmann verkaufen ihren namen. Ist doch genau so wie bei malern. Hat du mal nen namen, kannst du alles verkaufen. Auch wenn es nur ne schwarz getuenchte leinwand ist. Ich hab mal einen bericht im Deutschen fernsehen gesehen, da haben sie gerichte von beruehmten koechen mit gerichten von kochlehrlingen im 3. lehrjahr restaurant testern zum probieren vorgesetzt. Es haben nicht immer die beruehmtheiten gewonnen. Es hielt sich glaube ich 50:50 (Sorry, das kann ich jetzt nicht mit einer quellenangabe belegen. Gilt das jetzt trotzdem?)

Mit der handwerksrolle muss ich sagen ist es wie mit den meisten regulierungen. Manchmal macht es sinn. Aber die handwerksverordnung hat meines erachtens in den meisten faellen keinen sinn geamcht. Ich habe schonmal an anderer stelle geschrieben, dass es in GER meiner partnerin mit ueber 20 jahren berufserfahrung im textilgewerbe nicht erlaubt war, ein geschaeft zu eroeffnen. Der betrieb aus dem 12 km entfernten Elsass konnte jedoch bei uns locker ne filiale aufmachen. Das argument der handwerkskammer war, dass es eine ihrer aufgaben ist, den verbraucher vor geringer qualitaet zu schuetzen. Hier in NZ regelt das der markt. Bist du schlecht, bekommst du keine auftraege mehr. Basta. Allerdings verstehe ich, dass der einzelne dann am jammern ist, wenn gerade er herausfinden muss, dass der installateur, der ihm die gasheizung installiert hat, nicht wusste was er tut. Auf der anderen seite freut er sich, dass er fuer eine handwerkerstunde keine NZ$180 zahlen muss, da der betrieb eben nicht in einen meister investieren muss.

Uebrigens ist bzw. war es in GER gang und gaebe, dass Meister ihre dienste firmen anboten und dafuer hoch bezahlt wurden. Das bedeutete jedoch nicht, dass der meister tatsaechlich im betrieb arbeitete. Nein, er war nur offiziell angestellt, so dass der betrieb die bedingungen erfuellte.

Auf der anderen seite muss ich denjenigen recht geben, die sagen, dass die ausbildung hier sehr schlecht ist. Gerade in der bekleidungsindustrie hat meine partnerin die erfahrung gemacht, dass leute von der Modedesign schule kommen und nicht mal wissen was Viskose ist (gerade diese woche passiert). Oder man macht einen 6 wochigen kurs und nennt sich dann bekleidungstechniker. Hat man dann eine jahrelange ausbildung gemacht und diese leute schnappen einem die jobs weg, nur weil sie eben Neuseelaender sind, kann man sich schon aergern. Wenn du dann noch als argument hoerst du seist ueberqualifiziert....


Gosh, mal wieder laenger geworden. Sorry.

Cheers

Peter

Verfasst am: 07. 08. 2003 [17:29]
FTC
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 1916
....sicher kann ein unmotivierter Küchenchef einem engagierten
Hobbykoch nicht das Wasser reichen. Als Amateur kannst Du
natürlich das Geschäft durch "Try and Error" erlernen. Nur wenn
er damit Geldverdienen will erwartet der Kunde (wenigstens
in D) dass eine profunde Ausbildung vorliegt, wobei es auch hier
natürlich immer "Ausreisser" gibt.
Dass es in NZ etwas anders´läuft habe ich inzwischen von meinen
NZ-Freunden gelernt.
Die sind schon froh, wenn
a) der Handwerker überhaupt kommt
b) weiss, wie man das Werkzeug richtig in der Hand hält und/oder
bedient
c) überhaupt Werkzeug dabei hat
d) die Arbeit fertig macht und nicht mittendrin verschwindet
e) eine einigermassen ordentliche Arbeit abliefert.

Daher kann ich schon nachvollziehen, dass ein einigermassen
geschickter "Heimwerker" mit einem "im alten Europa" üblichen
Verständnis für Arbeitsmoral in NZ mit Handkuss herangezogen
wird.

Als amüsante Episode darf ich noch anführen, dass ich bei meinen
NZ-Freunden sehr an Achtung gewann, als ich während meines
Urlaubs einige tropfende Wasserhähne, nicht schliessende Türen
reparierte und eine seit Ewigkeit nicht funktioniernende Telefon-
Anlage zu Laufen brachte. Ich wurde dann gleich an einige
Bakannte weitergereicht...

FTC
Verfasst am: 07. 08. 2003 [15:35]
Renate
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 1168

Hallo Oliver,

ich muß mal wieder widersprechen!

Und zwar wegen des Sushis: Meine Schwägerin, die mit Japan absolut nichts zu tun hat, abgesehen davon das mein Bruder ein Jahr in Osaka gelebt hat (bevor er sie kannte, wohlgemerkt) und von daher seine Begeisterung für das japanische Kochen mitgebracht hat, macht super Sushi, besseres habe ich auch beim Japaner nicht gegessen!
Und was hat sie gelernt- auf jeden Fall weder Koch noch etwas Ähnliches, sie hat es einfach probiert und sich immer weiter verbessert! Was bei vielem zählt, ist doch die Begeisterung für die Sache.
Bestes Beispiel aus meiner direkten Umgebung ist mein Mann. Er hat eine Helferin zur Ausbildung gehabt, die in drei Ausbildungsjahren nicht mal das nötigste gelernt hat, einfach, weil sie überhaupt keine Lust auf den Beruf hat. Da könnte sie 10 Jahre lang lernen und das würde nix werden!

Dann ist doch ein begeisterter "do- it- yourself-ler" immer noch besser, oder?

Gruß

Renate
Verfasst am: 07. 08. 2003 [13:20]
FTC
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 1916
....in einem gebe ich Dir Recht: Man muss den Mut haben, etwas zu
riskieren...

Was das andere betrifft, bin ich etwas skeptisch. Also ich würde meine
Elektro-, Wasser- oder Heizungsinstallation keinem "Heimwerker" sondern
eher einem Fachmann mit solider Ausbildung anvertrauen. Das will nicht
heissen, dass es nicht eventuell Heimwerker gibt, die von der Materie
mehr Ahung haben als ein unkompetenter Fachmann. Ich denke eine
Lehrzeit von 3 Jahren ist berechtigt, um sowohl die praktische als die
theoretische Materie zu beherrschen. Auch hier in Deutschland ist ja
momentan in der Diskussion, ob für gewisse Handwerksberufe der
Meisterbrief Voraussetzung für die Selbständigkeit bleiben soll oder
nicht. So kann ich mir z.B. für das Photographenhandwerkvorstellen,
dass nicht unbedingt ein Meisterbrief notwenig sein muss, um auf selbständiger Basis Passbilder machen zu können. Bei Gewerken, wo es
aber an die Gesundheit oder an die Sicherheit geht, bin ich dagegen für eine solide Ausbildungund einer entsprechenden Praxis.
Auch ist es eine Frage der Gewährleistung. Versuche mal einen
"Do it Yourself" Handwerker zu verklagen. FTC

PS. Als Industriekaufmann hast Du doch auch eine mindestens
2 jährige Ausbildung durchgemacht, oder?



Nachricht bearbeitet (08-07-03 17:12)
Verfasst am: 07. 08. 2003 [12:24]
Thomas,AKL
Themenersteller
Dabei seit: 16.04.2006
Beiträge: 76
Ich finde es toll, dass man sich hier in NZ erheblich leichter selbststaendig
machen kann als in D. Es gibt nicht so viele Reglementierungen.
Die groesste Huerde allerdings ist - man selber!
Den eigenen Schweinehund (norddeutscher Sprachgebrauch) zu
ueberwinden, eine Idee zu entwickeln und einfach anfangen.
Habe ich am eigenen Leibe erfahren. Als ich hier ankam, musste ich
feststellen, dass meine Ausbildung als Industriekaufmann hier voellig
unbekannt ist. Nach einigen contracts endete ich zu Hause und konnte
endlos das schoene Wetter geniessen. Das wird auf die Dauer dann doch
etwas langweilig und alleine ist's auch nicht so dolle.
Schliesslich ergab es sich, dass ein Freund ebenfalls auf der Suche nach
der zuendenden Idee war und somit haben wir uns einfach zusammen
getan und haben angefangen als Tiler und Installateur fuer
Holzfussboeden zu arbeiten.
"Pfui! Das geht doch nicht. Einfach so und ohne 3 jaehrige deutsche
Ausbildung und ohne jegliche Berufserfahrung. Das kann ja nichts
werden" haben einige (deutsche Mitbuerger) hinter vorgehaltener Hand
gesagt.
Es ging doch. Und wie! Und zwar durch Selbststudium.
Am Anfang war es natuerlich manchmal ganz schoen schweisstreibend,
wenn wir Auftraege angenommen hatten und mussten uns anschliessend
ueberlegen, wie wir es denn technisch am besten bewerkstelligen.
Mittlerweile arbeite ich alleine und habe gut zu tun. Das Verhandeln mit
Kunden und ueberzeugend zu wirken, habe ich mittlerweile gelernt. Zu
meinen Kunden zaehlen gutbetuchte Leute in Milford und Remuera und
professionelle Builder.
Das soll jetzt nicht als Angeberei missverstanden werden. Das liegt mir
voellig fern. Ich will damit nur verdeutlichen, was machbar ist, wenn man
den Willen dazu hat, und in meinem Fall natuerlich auch den Druck hat,
etwas zu erreichen. Ich war ja bisher eher aengstlich, wenn es darum
ging, etwas Neues anzufangen. Das habe ich zum Glueck weitgehend
abgelegt.
Fuer meine Frau Susanne und mich ging es schliesslich um's Hierbleiben
oder wieder nach D zurueck zu gehen. Wir wollten hierbleiben.
Also musste etwas geschehen.
Ich will damit jetzt nicht sagen, dass das deutsche Ausbildungssystem
Mist ist. Absolut nicht! Es werden einem nur zu viele Huerden in den Weg
gelegt, sich selbststaendig zu machen. Warum brauche ich einen
Meistertitel, wenn ich als Tischlergeselle meinen eigenen Betrieb
aufmachen will? Hier kann ich's tun. Der Nachteil ist, dass es auch Leute
ohne die geringste Ahnung von der Materie zu haben, machen koennen.
Daher sind hier natuerlich jede Menge Cowboys insbesondere im
Handwerk unterwegs und man weiss nicht, wenn man keine Empfehlung
hat, was man fuer sein Geld bekommt.
Trotzdem muss nicht jede Ausbildung 3 Jahre dauern. Ich wuesste nicht,
was ich in der Zeit alles haette lernen sollen.
Fazit: Leute, riskiert etwas. Fangt einfach an, wenn Ihr eine gute Idee
habt. Wer nichts riskiert, kann auch nichts dazu gewinnen.



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 09.08.2003 um 10:31.]